Vegane Gesellschaft Österreich: Warum ich meine Mitgliedschaft gekündigt habe, und wie es jetzt weitergeht

Heute in der Früh habe ich meine Mitgliedschaft bei der Veganen Gesellschaft Österreich gekündigt, als direktes Resultat des deli dip-Debakels auf der Messe Vegan Planet Wien 2016.

© http://www.vegantourist.com

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Die Firma deli dip spendet alle Einkünfte von ihrer Teilnahme an der Messe an die Krebsforschung. Medizinische Forschung bedeutet vor allem Eines: Tierversuche. Nachdem ich mich bei den Organisatoren darüber beschwerte, wurde mir versichert, dass die Situation positiv gelöst wurde, also keine Spenden an Organisationen fließen würden, die indirekt Tierversuche finanzieren. Gestern, Samstag, habe ich daraufhin in der Früh ein Update zum meinem ersten Blogpost vom Freitag geschrieben.

Heute, Sonntag, wache ich auf, und ein Messebesucher vom Samstag hat mir über Facebook mitgeteilt, dass am Samstag das Schild doch wieder aufgestellt wurde.

© http://www.vegantourist.com

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Aus diesem Grund habe ich heute in der Früh meine Mitgliedschaft bei der Veganen Gesellschaft Österreich gekündigt.

Wie geht’s jetzt weiter?

Man hat als Einzelperson auf das Verhalten anderer Menschen und Organisationen keinen direkten Einfluss, jeder trifft seine Entscheidungen selbst und muss diese Entscheidungen und alle Konsequenzen auch verantworten. Ich kann also nur mein eigenes Verhalten adaptieren. Deshalb habe ich beschlossen, jetzt Folgendes zu machen:

Den Betrag, den ich normalerweise als Mitgliedsbeitrag an die VGÖ überweisen würde, werde ich stattdessen an den Verein Ärzte gegen Tierversuche spenden. Das sind 36,00 Euro.

Wenn die Vegan Planet Messe das nächste Mal wieder in Wien stattfindet – ich nehme an, im November 2017 – werde ich nicht hingehen, sondern das Eintrittsgeld auch wieder an Ärzte gegen Tierversuche spenden. Das sind 9,00 Euro.

Von deli dip habe ich in der Vergangenheit hin und wieder Produkte gekauft. Nicht viel, aber doch. Da werde ich weitere 15,00 Euro an die Organisation Ärzte gegen Tierversuche spenden, das entspricht in etwa dem Betrag, den ich pro Jahr für Produkte dieser Firma ausgegeben habe.

Nach Durchsicht der Webseite von deli dip habe ich festgestellt, dass die Produkte bei Billa, Merkur und Metro verkauft werden, also den Geschäften des REWE-Konzerns. (Das sind die einzigen Handelspartner, die derzeit auf der Webseite dieser Firma angeführt werden.) Ich kaufe relativ viel bei Billa ein, da das nächste Geschäft nur einen Block von meiner Wohnung entfernt ist, und auch bei Merkur kaufe ich viel ein, da das nächste Geschäft sich in nur zwei Wohnblöcken Entfernung befindet. Alles in allem schätze ich, dass ich über ein ganzes Jahr verteilt rund 1.500,– Euro bei Billa und Merkur ausgebe. Da kaufe ich hauptsächlich clever-Küchenrollen, Taschentücher, Müllsäcke und WC-Papier sowie zahlreiche Produkte der Marke Ja! Natürlich. Außerdem Obst und Gemüse sowie vegane Fertigprodukte diverser Firmen. Ich der Vergangenheit habe ich dort Hummus von deli dip gekauft. Ich werde ab sofort – und zumindest auch das ganze nächste Jahr hindurch – bei diesen beiden Firmen nicht mehr einkaufen.

Statt dessen werde ich bei Denn’s einkaufen, bei Maran Vegan, auf Märkten und bei vielen anderen kleinen Geschäften. Ich weiß, dass es in Wien einen vegan foodcoop gibt, der Biohof Radl ist eine Alternative für Obst und Gemüse, und der Biohof Adamah verkauft Obst und Gemüse auf Märkten. (Ein Abo-Kistl hatte ich in der Vergangenheit, das war mir aber zu viel, da ist immer etwas übrig geblieben.). Bei vielen dieser Geschäfte kaufe ich sowieso schon ein, aber Billa und Merkur befinden sich halt in direkter Nähe zu meiner Wohnung, das ist bequem, und deshalb habe ich dort viel eingekauft. Damit ist jetzt Schluss.

Außerdem habe ich in der Vergangenheit pro Jahr zirka 200,– Euro für Take-Out Speisen ausgegeben, das ich mir von diversen Lieferdiensten nach Hause liefern ließ. Natürlich habe ich immer vegane Speisen bestellt, aber die meisten Restaurants, die Vertragspartner dieser Lieferdienste sind, sind nicht-vegetarische Restaurants, die zudem meist auch keine biologischen Zutaten verwenden. Auch damit ist ab sofort – und zumindest das ganze Jahr 2017 hindurch – Schluss.

Statt dessen bin ich auf der Suche nach neuen Freunden (Wien oder nähere Umgebung, mit öffentlichen Vekehrsmitteln gut erreichbar), die mich – im Gegenzug für eine 10,00 Euro-Spende von mir an die Organisation Ärzte gegen Tierversuche – einmal vegan und biologisch bekochen (ich koche auch gerne mit). Es müssen keine Veganer sein, im Gegenteil: Ich habe großes Interesse daran mit Menschen Kontakt aufzunehmen, die sich nicht vegan ernähren. Wichtig wäre, dass an diesen Abenden vegan und mit biologischen Zutaten gekocht wird, und dass diese Zutaten bei kleinen österreichischen Geschäften und Bio-Produzenten eingekauft werden. Wer Lust hat, bei dieser Initiative mitzumachen, soll sich bei mir melden. Mein Ziel wären 1 – 2 Abende pro Monat in netter Gesellschaft bei neuen Freunden mit nachhaltigem, veganen Konsum, und im Gegenzug dafür spende ich jeweils 10,00 Euro an die Organisation Ärzte gegen Tierversuche.

Nach diesen Abenden würde ich darüber bloggen und die Geschäfte, bei denen eingekauft wurde, und die Produkte, die für die Zubereitung der Speisen verwendet wurden, bewerben. Ziel und Zweck ist die Promotion von kleinen Firmen und Betrieben, die ethisch produzieren, und für die Wort “vegan” nicht nur eine weitere Möglichkeit zur Profitmaximierung ist. Man müsste also ganz bewußt einkaufen, und ganz bewußte Entscheidungen über das eigene Konsumverhalten treffen. Ich denke, dass man so ein positives Zeichen setzen kann und Firmen klar machen kann, dass es nicht ausreicht, wenn die Produkte “vegan” sind, sondern dass die Firmenphilosophie ein ganz wichtiger Faktor für Kaufentscheidungen ist. Man kann als Firma nicht an medizinische Forschungseinrichtungen spenden und gleichzeitig Produkte an VeganerInnen verkaufen wollen. Ich hoffe, dass mich bald irgendjemand zu einem netten Essen einlädt, und ich diese Initiative kick-starten kann. Ich habe gute Tischmanieren und helfe auch beim Abwaschen.

So, das sind jetzt einmal die ersten Konsequenzen, die ich ziehe. Wie gesagt, ich kann nur mein eigenes Verhalten kontrollieren, und da gibt es zahlreiche Verbesserungsmöglichkeiten. Alles in Allem summieren sich die einzelnen Maßnahmen, die ich setzen kann. Sie führen zu einem veränderten Konsumverhalten von rund 2.000,- Euro pro Jahr. Und vielleicht fühlen sich ja andere Menschen dadurch auch motiviert, ihr eigenen Kauf- und Konsumverhalten zu überdenken. Über meine Fortschritte werde ich regelmäßig bloggen.

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