Update: Vegan Planet Wien 2016 – Spenden für Tierversuche ?

Update vom  Sonntag 27.11.2016: Mir wurde über Facebook mitgeteilt, dass das Schild am Samstag wieder aufgestellt wurde. Wow! Mein fehlendes Vertrauen in die Firma scheint also berechtigt gewesen zu sein. Nach wie vor dürften Einnahmen von der Vegan Planet Messe für die Krebsforschung, und somit indirekt für Tierversuche, gespendet werden. Ich werde meine Mitgliedschaft bei der Veganen Gesellschaft Österreich kündigen.

Update vom Samstag, 26.11.2016: Gestern am Abend (Freitag, 25.11.2016) habe ich einen Blogpost veröffentlicht mit dem Titel “Vegan Planet Wien 2010 – Spenden für Tierversuche ?” Heute möchte ich ein Update dazu liefern.

© http://www.vegantourist.com

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Nachdem ich mich gestern auf der Messe wahnsinnig darüber aufgeregt habe, dass die Firma deli dip alle Einkünfte von dieser Messe an die Krebsforschung spenden wollte, und damit indirekt auch Tierversuche unterstützt werden, haben mir die Organisatoren versichert, dass sie sich darum kümmern wollen.

Das Schild wurde entfernt, und die Firma hat sich “für das Missverständnis aus Unwissenheit” entschuldigt. Sie wussten anscheinend nicht, dass zwischen der St. Anna Kinder-Krebsforschung und Tierversuchen ein Zusammenhang besteht.

Ich freue mich, dass die Organisatoren meine Kritik ernst genommen haben, aber die Firma deli dip hat für mich – auf alle Zeit – jegliche Glaubwürdigkeit verloren. Denn während meiner sehr erzürnten Auseinandersetzung mit dem Geschäftsführer und den Mitarbeitern dieser Firma haben diese nicht gesagt, dass sie nicht wussten, dass sie mit ihrer Spende Tierversuche finanzieren. Sie haben gesagt, dass ihnen Tierversuche egal sind, weil ihnen Kinder wichtiger als Tiere sind. Sie haben gesagt, dass sie das auch in Zukunft machen werden (es gab übrigens einen Zeugen für dieses Gespräch, falls das jetzt vielleicht abgestritten werden soll…). Auch wenn jetzt die Einnahmen von der Vegan Planet Messe nicht an die Krebsforschung gespendet werden, kann ich mich nicht darauf verlassen, dass diese Firma bei einem anderen Anlass, auf einer anderen Messe nicht doch wieder ihre Einkünfte an die Krebsforschung spendet. Und da ich mich nicht darauf verlassen kann, dass der Geschäftsführer und die Mitarbeiter dieser Firma verstehen, worum es bei einer veganen Lebensweise überhaupt geht, werde ich nie wieder Produkte von dieser Firma kaufen.

Eine vegane Lebensweise bedeutet, dass man versucht ethisch zu leben, Tiere nicht ausnutzt und Tierleid nicht fördert. Das hat Einfluss auf alle Aspekte des Lebens.

Alles, was mit dem Wort “vegan” zusammenhängt, ist im Moment unglaublich populär. Viele Firmen versuchen mit den Wort “vegan” Profit zu schinden. Auf meinen ersten Blogeintrag zu diesem Thema haben in kürzester Zeit einige Menschen reagiert.

Auch andere Messeteilnehmer und -aussteller beklagen, dass die moralischen und ethischen Aspekte immer öfter nicht berücksichtigt werden, und auf der Messe auch Unternehmen vor Ort sind, die in erster Linie ihren Profit maximieren wollen. Ich bin also nicht allein mit meiner Kritik – und das ist eine Kritik, die sich gegen die Organisatoren richtet.

Ich kann zum Beispiel überhaupt nicht nachvollziehen, wieso ein nicht-vegetarisches Restaurant, das zwar ein paar vegane Speisen anbietet, aber nachweislich in der Vergangenheit mit falschen Angaben versucht hat, vegane Kunden zu gewinnen, auf einer veganen Messe vertreten ist. In Bezug auf dieses Restaurant, das ich hier jetzt gar nicht namentlich erwähnen will, findet man zahlreiche negative Kritiken auf Facebook. Was hat so ein Betrieb auf einer veganen Messe verloren?

Es gibt auf der Messe mehere Aussteller, deren Verhalten (als Firma) mit einer veganen Lebensweise nicht in Einklang steht. Daraus ergeben sich für mich viele Fragen für den Co-Organisator, die Vegane Gesellschaft Österreich (VGÖ). Wie definiert die VGÖ das Wort “vegan”? Welche Kriterien gibt es für Betriebe, die auf einer veganen Messe einen Stand mieten wollen? Auf mich wirkt die jetzige Situation eigentlich so, dass jede Firma, die auch nur wenige “vegane” Produkte verkauft, als Aussteller akzeptiert wird. Das sehe ich äußerst kritisch, denn darunter leidet die Glaubwürdigkeit der Veganen Gesellschaft Östereich.

Ich bin an sich ein großer Fan und auch Mitglied der VGÖ. Die VGÖ leistet mit wenigen finanziellen und personellen Ressourcen sehr gute Arbeit. Ich befürworte Projekte, die darauf abzielen, möglichst viele Nicht-Veganer mit dem Thema Veganismus vertraut zu machen, denn jedes Stück Fleisch, das nicht gegessen wird, ist ein Gewinn. Zu erwähnen sei hier zum Beispiel ein Projekt, mit dem sich die VGÖ dafür einsetzt, dass zumindest ein veganes Gericht in allen Kantinen von öffentlichen Einrichtungen angeboten wird.

Aber für Veranstaltungen, die von der VGÖ selbst organisiert werden, erwarte ich mir höhere Standards. Auf der Veganmania und auf den Vegan Planet-Messen erwarte ich, dass nur Firmen als Aussteller akzeptiert werden, deren gesamte Tätigkeit erkennen lässt, dass sie sich für eine nachhaltige Lebensweise einsetzen. Ein Restaurant, das von zahlreichen VeganerInnen gemieden wird, oder eine Firma, die über Jahre hinweg die medizinische Forschung und damit einhergehende Tierversuche unterstützt, sind für mich auf VGÖ-Veranstaltungen einfach inakzeptabel. Es ist höchste Zeit, dass darüber eine Diskussion mit den Mitgliedern der VGÖ geführt wird.

Ich möchte auch noch kurz auf ein paar Facebook-Kommentare eingehen, die hinterfragen, ob es überhaupt einen Zusammenhang zwischen der St. Anna-Kinderstiftung und Tierversuchen gibt. Wenn man den Namen des Spitals gemeinsam mit dem Wort Tierversuch googelt, findet man sofort Links zu Studien mit Tierversuchen. Als Beispiel ein Link zu einem Artikel im profil vom Juni 2015.

Mit jeden Streben nach Expansion geht leider immer auch ein gewisses Maß an Qualität verloren, und das kann ich bei den Veranstaltungen der VGÖ in den letzten Jahren immer stärker beobachten. Ich hoffe, dass meine öffentliche Kritik und mein lautstark geäußerter Zorn die VGÖ vielleicht ein bisschen zum Nachdenken anregen. Ich wünsche mir, dass in Zukunft auf Events der VGÖ strengere Kriterien für Aussteller und Partnerorganisationen gelten.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zu meiner öffentlichen Kritik: Ich freue mich sehr, dass die Veranstalter sich um das deli dip – Debakel gekümmert haben. Dem Wunsch nach einer diskreten, nicht-öffentlichen Beschwerde kann und will ich aber nicht nachkommen. Denn es geht bei meiner Kritik ja nicht nur um deli dip. Es geht auch darum, dass die Veranstalter in Zukunft strengere Kriterien bei der Auswahl der Firmen definieren und sich darüber bewusst werden, dass sie sich den Zorn von VeganerInnen zuziehen, wenn sie Kooperationen mit Betrieben eingehen, die nicht höchsten ethischen Ansprüchen gerecht werden. Es ist leider meine Erfahrung, dass Kritik, die heimlich, still und leise geäußert wird, zumeist wirkungslos verpufft. Öffentlich geäußerte Kritik ist wirksamer, weil dadurch öffentlicher Druck erzeugt wird. Wenn ein/e VeganerIn sich traut zu sagen, “das ist nicht okay”, dann trauen sich in Zukunft auch andere VeganerInnen Kritik zu äußern. Genau so funktioniert ein Wandel in der Gesellschaft, und genau so agieren ja auch alle NGOs – inklusive alle Tierschutzorganisationen und die VGÖ: man äußerst öffentliche Kritik an den herrschenden Zuständen und erzeugt so Druck auf Machthaber, ihr Verhalten zu ändern. Das ist eine Strategie die funktioniert, und deshalb werde ich auch in Zukunft öffentlich Kritik äußern.

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